Das Schulleben an der Freien Evangelischen Schule Dresden ist geprägt von unserem Leitbild "Miteinander Glauben. Lernen. Leben". Ein besonderes Beispiel für die praktische Umsetzung dieser Werte ist die Partnerschaft der Klasse 2c mit der Förderschule "Schule am Burkersdorfer Weg". Seit der ersten Klasse kommen unsere Schülerinnen und Schüler regelmäßig mit Kindern zusammen, die mit körperlichen Beeinträchtigungen leben, um Barrieren abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Diese Treffen sind fest in dem Stundenplan der Klasse verankert. In einer Welt, in der Menschen mit Behinderungen oft übersehen werden, lernen unsere Kinder hier von klein auf, den Nächsten in seiner Ganzheit wahrzunehmen. Es geht nicht nur um ein punktuelles Projekt, sondern um eine kontinuierliche Beziehungsarbeit, die das Fundament für eine inklusive Gemeinschaft legt.
Einblicke in eine andere Lebenswelt
Im Januar 2026 begab sich die Klasse 2c auf den Weg zur Förderschule, um hautnah zu erleben, wie körperbehinderte Kinder ihren Lernalltag meistern. An verschiedenen Stationen durften sie ausprobieren, wie man einen Smoothie zubereitet, wenn man nur einen einzigen Knopf bedienen kann, oder wie man Fußball spielt, ohne laufen zu können. Besonders eindrücklich war die Erfahrung, im Rollstuhl zu sitzen und zu lernen, wie man diesen lenkt – selbst unter der simulierten Bedingung einer Sehbehinderung.
Interessant war dabei die Beobachtung der anfänglichen Skepsis: Einige Kinder äußerten vorab Vorbehalte, sich überhaupt in einen Rollstuhl zu setzen. Doch die Neugier und die positive Atmosphäre siegten schnell. Am Ende des Tages hatten alle Kinder die Stationen durchlaufen, und die anfängliche Zurückhaltung war dem ausdrücklichen Wunsch gewichen, eine solche Erfahrung bald zu wiederholen. Dieser Prozess des praktischen Ausprobierens ist ein wesentlicher Schritt, um Empathie und Respekt zu entwickeln.

Foto: FES Dresden, Kinder der FES testen, wie der Umgang mit einem Rollstuhl ist.
Gemeinsames Schaffen: Der Gegenbesuch
Im Februar durften wir die Kinder der Förderschule dann als Gäste in unseren eigenen Räumlichkeiten an der Hausdorfer Straße begrüßen. In unserem Mehrzweckraum wurde es kreativ: In gemischten Dreiergruppen konstruierten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Luftballonautos. Diese Zusammenarbeit erforderte Kommunikation und gegenseitige Unterstützung, wobei die individuellen Stärken jedes Kindes zum Tragen kamen, um am Ende bei einem spannenden Wettrennen gegeneinander anzutreten.
Die Reflexion dieses Tages brachte eine tiefe Erkenntnis hervor, die ein Kind unserer Klasse treffend formulierte: Behinderte Menschen würden in der Gesellschaft oft wie "durchsichtig" behandelt, doch man lerne hier, dass sie "ganz normale Menschen" seien, die genauso fühlen wie wir. Ein besonders bewegender Moment wurde bildlich festgehalten, als ein Schüler unserer Klasse helfen durfte, ein Kind aus dem Rollstuhl zu heben. Solche Erlebnisse prägen das Selbstverständnis unserer Schüler nachhaltig und fördern eine Haltung der Fürsorge, die über den Schulalltag hinausreicht.

Foto: FES Dresden, Kinder der FES helfen dabei, einen Rollstuhlfahrer aus dem Rollstuhl zu heben.
Erlebnisse im Frühling: Konzertbesuch und Ostergottesdienst
Der März und der April brachten weitere wertvolle Höhepunkte im gemeinsamen Erleben unserer beiden Schulklassen. Im März besuchten die Kinder beider Schulen ein Schulkonzert im Heinrich-Schütz-Konservatorium, bei dem sich unsere Schülerinnen und Schüler rücksichtsvoll um die Rollstuhlfahrer kümmerten, ihnen die Jacken abnahmen und ihnen durch das Halten der Hand ein Stück der Aufregung nahmen. Im April folgte die Teilnahme der FES- Schüler am Ostergottesdienst der Förderschule. Dabei wurde unsere Klasse 2c als Ehrengast extra begrüßt und erhielt eine Osterkerze. Darüber freuten sich die FES-Gäste natürlich sehr.
Für unsere Grundschüler war es zutiefst beeindruckend, so viele Menschen im Rollstuhl zu sehen und zu erleben, wie facettenreich geistig beeinträchtigte Menschen ihre Freude zum Ausdruck bringen. Besonders faszinierend war für sie die Erkenntnis, dass auch Menschen mit schweren Beeinträchtigungen unter Nutzung moderner Hilfsmittel – wie einem Tablet als Sprachausgabe – aktiv und würdevoll einen Gottesdienst mitgestalten können.
Kultureller Austausch und Ausblick auf das Maitreffen
Ende April setzte sich die Reihe der Begegnungen fort, als die Förderschulkinder zu Gast bei unserem traditionellen Musical der 4. Klassen waren. Erneut zeigten sich unsere Zweitklässler als aufmerksame Gastgeber, halfen beim Auskleiden und boten während der Aufführung Halt und Nähe durch das Halten der Hände, sofern dies gewünscht war. Diese kleinen Gesten zeigen, dass die Werte der gegenseitigen Annahme mittlerweile fest im Handeln der Kinder verankert sind.
In der kommenden Woche steht ein "Maitreffen" an, welches die Kinder an einen außerschulischen Lernort führen wird. Gemeinsam ist ein Ausflug auf den Panama-Spielplatz geplant, um das Miteinander im freien Spiel und in der Natur weiter zu vertiefen. Wir sind zuversichtlich, dass auch diese Aktion die Herzen der Kinder ein Stück weiter füreinander öffnen wird.
Gänsehautmomente und praktische Herausforderungen: Das Maitreffen
Wie erhofft, wurde der gemeinsame Ausflug auf den Panama-Abenteuerspielplatz in der Dresdner Neustadt im Mai zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Kinder durften zusammen Tiere füttern, das Futter vorbereiten, die Ställe ausmisten und ausgiebig miteinander spielen. Unsere Zweitklässler kümmerten sich dabei liebevoll um die Rollstuhlkinder, stießen aber auch auf ganz reale Hürden der Inklusion: Es erforderte viel Kreativität, mit einem Kind auf einem Spielplatz zu spielen, das im Rollstuhl sitzt und sich nicht verbal äußern kann. Auch wurde den Kindern bewusst, dass es durchaus mühsam sein kann, nicht einfach losrennen zu können, sondern stattdessen stets den Rollstuhl zum nächsten Ort schieben zu müssen.

Foto: FES Dresden, Die Kinder haben zusammen auf dem Panama-Spielplatz gespielt.
Doch genau in der Bewältigung dieser Herausforderungen zeigte sich der Wert dieses Projekts. Es entstanden tief berührende Szenen – wie beispielsweise jener Moment, in dem die Kinder völlig selbstverständlich gemeinsam eine Schubkarre über das Gelände schoben. Solche Augenblicke, die bei den Lehrkräften für Gänsehaut und Rührung sorgten, beweisen eindrucksvoll, wie gegenseitige Ermutigung und praktische Nächstenliebe das Fundament unseres Handelns bilden.
Naturerlebnis und echtes Teamwork: Der Ausflug im Juni
Den krönenden Abschluss der Schuljahreskooperation bildete unser Treffen im Juni im Prießnitzgrund. Ursprünglich war geplant, gemeinsam am Wasser zu spielen, doch aufgrund der kühlen und regnerischen Witterung wurde der Tag stattdessen für eine ausgiebige Wanderung genutzt. Dabei war echtes Teamwork gefragt: Immer zwei Kinder unserer Klasse teilten sich die verantwortungsvolle Aufgabe, einen Rollstuhl über unebene, mit großen Steinen und Wurzeln durchzogene Waldwege zu manövrieren. Dass ein solcher Rollstuhl beim Hochschieben enorm schwer werden kann, war für unsere Schülerinnen und Schüler eine wichtige, ganz praktische Lernerfahrung.

Foto: FES Dresden, Im Priesnitzgrund war Teamwork gefragt.
In schwierigen Passagen zeigte sich dann, wie unverzichtbar das enge Miteinander aller Beteiligten ist. Ging es auf schrägen Wegen einen Abhang hinunter, griffen die Erwachsenen unterstützend ein, um mit Kraft und Weitblick abzusichern. Auch tiefe, über den Weg hängende Äste erforderten ein koordiniertes, gemeinsames Handeln, um den Rollstuhlfahrern eine sichere Passage zu ermöglichen. Inmitten der Natur wurde so der Respekt und die Fürsorge füreinander auf wunderbare Weise sichtbar und spürbar.
Die logistische Meisterleistung hinter den Begegnungen
Ein solches Projekt lebt nicht allein von der Idee, sondern von einer akribischen Organisation, die wir an dieser Stelle besonders würdigen möchten. Ein großer Dank gilt Frau Leichsenring, die diese Treffen mit viel Herzblut und Professionalität plant. Die Herausforderungen sind vielfältig: Während unsere Klasse 2c mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft zeitaufwendig zur Förderschule reist, muss für die Gegenbesuche sichergestellt werden, dass die Kinder mit Beeinträchtigungen sicher zu uns gelangen und hier barrierefreie Räumlichkeiten vorfinden.
Diese organisatorische Leistung bildet den Rahmen, in dem die Kinder beider Schulen sicher und unbeschwert zusammenkommen können. Es erfordert Weitblick und ein hohes Maß an Engagement, die unterschiedlichen Bedürfnisse beider Gruppen zu koordinieren und gleichzeitig den pädagogischen Fokus nicht zu verlieren. Diese Arbeit im Hintergrund ist die Voraussetzung dafür, dass Inklusion an der FES Dresden nicht nur ein Begriff im Schulprogramm bleibt, sondern zu einer lebendigen, bereichernden Realität für alle Beteiligten wird.
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