An der Freien Evangelischen Schule Dresden ist es unser erklärtes Ziel, über die reine Wissensvermittlung hinauszugehen. Wir möchten bei unseren Schülerinnen und Schülern das Bewusstsein für die eigene Verantwortung schärfen und Werte wie Nächstenliebe und Respekt vertiefen, die im Kern unseres christlichen Selbstverständnisses stehen. Ein kürzlich durchgeführtes Projekt der Klasse 6d unserer Oberschule und des Gymnasiums, welches sich mit dem jüdischen Leben in Dresden und der Familie Arnhold auseinandersetzte, ist ein herausragendes Beispiel für die praktische Umsetzung dieser Werte.
Es zeigt, wie wir Geschichte lebendig werden lassen und gleichzeitig die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements hervorheben. Unsere Schule steht für ein ganzheitliches Lernen, bei dem das Miteinander und der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Schülerinnen und Schüler erfahren auf authentische Weise, wie sie selbst zu einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft beitragen können.
Ein Name, der Geschichte schreibt
Die Initialzündung für dieses Projekt war eine einfache, aber tiefgründige Frage: "Warum heißt das Georg-Arnhold-Bad eigentlich Georg-Arnhold-Bad?" Aus dieser kindlichen Neugier entwickelte sich eine intensive Spurensuche. Die Schülerinnen und Schüler entdeckten dabei Georg Arnhold als einen großzügigen Mäzen, dessen Hingabe für seine Mitmenschen und seine Heimatstadt Dresden bis heute in Erinnerung bleibt. Sie lernten, dass er das Bad als Geschenk an die Stadt stiftete, ein Akt der Nächstenliebe, der bis in die heutige Zeit nachwirkt und perfekt zu unserem Schulmotto "Miteinander glauben, lernen und leben" passt. Die Kids erfuhren ebenso, dass die Familie Arnhold bis in die heutige Zeit als großzüge Mäzen für Dresden wirken.
Dieser Lernprozess verdeutlichte den Kindern nicht nur die historische Bedeutung der Familie Arnhold, sondern auch die zeitlose Relevanz von Großzügigkeit und Fürsorge. Es wurde erfahrbar, wie sich der Glaube und die daraus resultierenden Werte im Handeln eines Einzelnen manifestieren und über Generationen hinweg eine positive Wirkung entfalten können.

Die Arnhold-Familie im Georg-Arnhold-Bad. (Bild: FES Dresden)
Brücken der Dankbarkeit und des Gedenkens
Ein besonders berührender Moment war das Verfassen von Briefen an die Nachkommen der Familie Arnhold, welche über die ganze Welt verteilt sind. Inspiriert durch eine Stadtführung mit Frau Hildegart Stellmacher von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V., die die Schülerinnen und Schüler mit Orten jüdischen Lebens in Dresden vertraut machte, erkannten sie die immense Bedeutung der Familie für ihre Stadt.
Der Besuch der Gläsernen Bank im Großen Garten war ein Moment, der die Diskriminierung und Ausgrenzung während der nationalsozialistischen Zeit greifbar machte. Die vielfältige Klasse stellte sich für einen Moment vor, dass sie nicht gemeinsam durch den Park gehen durften. Das hinterließ ein seltsames Gefühl. Aus diesem Gefühl heraus entstand der Wunsch, die Briefe an die Familie Arnhold zu verfassen.

Die Schüler mit ihren geschriebenen Briefen. (Bild: FES Dresden)
Ein besonderer Tag
Die Mühen der Schülerinnen und Schüler wurden am 20. September belohnt, als ein Treffen mit Familienmitgliedern der Familie Arnhold organisiert wurde. Herr Dr. Bahr hatte als Klassenlehrer bei der Stadt angefragt, ob es eine Möglichkeit gäbe, die Briefe an die Familie zu senden. Da die Stadt bereits wusste, dass die Familie Arnhold Dresden besuchen wollte, nutzte sie die Gelegenheit und organisierte ein Treffen im Georg-Arnhold-Bad.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert eröffnete die kleine Feierlichkeit mit einer Rede und hieß die Familie willkommen. "Einer meiner bewegendsten Momente als Oberbürgermeister war, als mir Henry Arnhold erzählte, wie seine Familie 1926 das Arnhold-Bad der Stadt gestiftet hat und er dann selbst als Kind nach 1933 nicht mehr darin baden gehen durfte", so Hilbert ergriffen.
Übergabe der Briefe mit großer Aufregung
Im Anschluss sprach Herr Dr. Bahr einige Worte und erläuterte, wie es überhaupt zu diesem Projekt und dem Wunsch der Kinder kam, Briefe zu schreiben. Dann kam der große Moment und unsere Schülerinnen und Schüler durften ihre Briefe an die Familie Arnhold überreichen.
Zur Unterstützung waren Dolmetscher engagiert, die es den Kindern ermöglichten, direkt mit den Familienmitgliedern zu sprechen. Die Familienmitglieder waren sichtlich gerührt und ließen sich die Zeilen der Schüler teilweise sofort übersetzen. Die Worte der Kinder empfanden sie als sehr ergreifend und das Treffen sorgte auf beiden Seiten für viele Emotionen.
Trotz der spürbaren Aufregung waren die Kinder sichtlich glücklich, die Briefe, in die sie so viel Herzblut gesteckt hatten, persönlich überreichen zu dürfen. Von offizieller Seite wurde das Engagement der Kinder sehr gelobt. Das Treffen wurde zu einer gelungenen Veranstaltung für alle Beteiligten. Es war ein tief bewegender Moment, in dem Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise miteinander verschmolzen. Im Anschluss an das Treffen hatte die Klasse 6d einen weiteren Höhepunkt. Zusammen mit Herrn Dr. Bahr und den Familien der Kinder trafen sich alle im Großen Garten und genossen bei schönstem Wetter ein gemeinsames Picknick.
Wir danken der Familie Arnhold von Herzen, dass wir sie an diesem Tag ein Stück begleiten durften, und der Stadt Dresden für die Organisation dieses unvergesslichen Treffens. Dieses Projekt bestärkt uns in unserem Auftrag, Empathie, Dankbarkeit und historische Verantwortung zu vermitteln, um eine Zukunft zu gestalten, die von Respekt und Gemeinschaft geprägt ist und auf den christlichen Grundwerten des Miteinanders aufbaut.
Sie möchten mehr über das Treffen mit Familie Arnhold erfahren und weitere Einblicke in den Schulalltag erhalten? Dann folgen Sie uns gern auf Instagram und Facebook. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.
